Am 7. Februar 2009 fand im Kornhausforum Bern ein Kolloquium zum Thema Brückenwettbewerbe statt, organisiert von der Gesellschaft für Ingenieurbaukunst zusammen mit der Stiftung Forschung Planungswettbewerbe. Ziel der Veranstaltung war, aus unterschiedlicher Sicht (Teilnehmer, Bauherr, Juror) die Erfahrungen mit Brückenwettbewerben auszutauschen und diese Erfahrungen in einigen Thesen zusammenzufassen. Das Kolloquium wurde von Joris van Wezemael moderiert, Referenten waren Prof. Thomas Vogel, Prof. Dr. Massimo Laffranchi, Michel Donzel, Jürg Conzett.
In den Referaten und Diskussionen wurden folgende Aspekte betont:
Der Brückenwettbewerbs als Plattform für Öffentlichkeitsarbeit.
Die Frage nach den Kriterien für der Ränge 2 und ff. (bestes Konzept oder beste Vertreter verschiedener Konzepte). Die Jury soll sich dieses Unterschieds bewusst sein und ihre Vorgehensweise deklarieren und begründen.
Wettbewerb als Nachwuchsförderung: offene Verfahren sind dazu in der Regel richtig.
Verfahren Architekturwettbewerb – Ingenieurwettbewerb: synthetisch oder analytisch urteilen? Die synthetische Beurteilung lässt einem Entwurf auch die Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln und sich zu präzisieren.
Saubere, stufengerechte Beurteilung: eine technische Beurteilung kann anhand von Plänen und Beschrieben erfolgen, eine architektonische Kritik benötigt zwingend Modelle.
Vor- und Nachteile der einzelnen Verfahren. „Mini-concours“ (M. Donzel) als prüfenswerte Verfahrensalternative für kleinere Objekte.
Über den Anlass wurde in der Fachpresse berichtet (Klaus Fischli in: tec21 11/2009 S. 34; Ivo Bösch in: Hochparterre 04/2009). Die Quintessenz von Ivo Bösch:
Als Architekt staunt man. Die Ingenieure halten sich an die gleichen SIA-Normen. Und doch herrscht eine andere Wettbewerbskultur. Die Verfahren sind teilweise völlig anders. Wer sich nicht an die Bedingungen hält, der fliegt aus dem Verfahren. Der Ankauf ist unbekannt, also kann der bewusste Verstoss gegen das Wettbewerbsprogramm nicht belohnt werden.
Modelle lassen die Veranstalter selbst bauen, aber nur von den Projekten in der engeren Wahl. Das verbreitete Punktesystem eignet sich kaum für eine faire Gesamtbeurteilung. Selbst Statikprofessoren fordern, die Ingenieurwettbewerbe «architektenmässiger» zu gestalten. Doch staunt der Architekt auch, wie offen die Bauingenieure über die Verfahren reden. Fairness ist oberstes Ziel. Und da wird sogar über die Juryzusammensetzung diskutiert — eine heilige Kuh bei den Architekten. Kurz: Architekten und Bauingenieure können voneinander lernen. Das wäre ein Thema für eine nächste Tagung.
22.6.2009 jc
Kolloquium vom Samstag, 7. Februar 2009 im Kornhausforum Bern.
(forum #2 der Stiftung Forschung Planungswettbewerbe)
Eine gemeinsame Veranstaltung der Gesellschaft für Ingenieurbaukunst und der Stiftung Forschung Planungswettbewerbe.
Anmeldung bis 30. Januar 2009 an das Sekretariat der Gesellschaft für Ingenieurbau-kunst per Fax oder Email:
Sekretariat: Prisca Schoenahl, Conzett, Bronzini, Gartmann AG, Bahnhofstrasse 3, 7000 Chur
Tel. 081 258 30 00 Fax 081 258 30 01 Mail: p.schoenahl@cbg-ing.ch
Wie kommt Ingenieurbaukunst im Brückenbau zustande? Der Wettbewerb (Ideen-, Projekt- oder Submissionswettbewerb) gilt als wichtiges Instrument, in einem umfassenden Sinn qualitativ hochwertige Projekte zu erhalten. Einige der markantesten Brückenbauten der Schweiz sind die Frucht von Wettbewerben. Andererseits sind einige bedeutende Projekte wie beispielsweise die Ganterbrücke ohne Wettbewerb entstanden und bisweilen haben aufwändige Wettbewerbe auch nur zu mittelmässigen Projekten geführt.
Gegenwärtig ist ein verstärkter Trend festzustellen, Brückenwettbewerbe zu veranstalten. Diese Tatsache ist erfreulich. Die Gesellschaft für Ingenieurbaukunst und die Stiftung Forschung Pla-nungswettbewerbe haben ein vitales Interesse daran, sich mit einem für sie derart zentralen Thema zu beschäftigen. Die Möglichkeit, einerseits Rückschau über die jüngste Vergangenheit von Brückenwettbewerben zu halten, andererseits aber auch längerfristige Perspektiven wie das Brückenwettbewerbswesen hundert Jahre zuvor zu beleuchten, muss uns interessieren. Wo stehen wir heute? Wie werden die unterschiedlichen Interessen von Veranstaltern und Teilneh-mern wahrgenommen? Was ist das Verhältnis von Brückenwettbewerb und Öffentlichkeit? Wann kommt Ingenieurbaukunst in einem Wettbewerb zustande?
Schwerpunkt des Anlasses ist die Diskussion. Diese soll einerseits durch die Referate zu grund-sätzlichen Themen in Verbindung mit Wettbewerben, andererseits aber auch durch Beiträge von Teilnehmenden in Gang gebracht werden. Diese Beiträge können durchaus kritisch auf konkrete Fälle bezogen sein, sollen dabei aber immer auf eine längerfristige Perspektive abzielen. Ge-sucht sind prägnante Thesen, um damit die Diskussion letztlich auf allgemeingültige methodi-sche Fragen zu konzentrieren. Die Veranstalter hoffen, damit ein paar Instrumente zu schaffen, die die Fruchtbarkeit und Wirkung künftiger Brückenwettbewerbe noch verbessern.
Für Diskussionsbeiträge, die im Voraus (stichwortartig) abgegeben werden, sind die Veranstalter dankbar. Der zeitliche Ablauf des Kolloquiums wird diesen Beiträgen entsprechend gegliedert. Kontaktadresse ist das Sekretariat der Gesellschaft für Ingenieurbaukunst (siehe unten).
Für Präsentationen steht ein Beamer und ein Laptop zur Verfügung.
Die Veranstaltung ist öffentlich. Der Eintritt ist frei.
Moderator und Referenten:
Dr. Joris van Wezemael ist Geograph mit Schwerpunkt Wirtschaftsgeographie. Seit 2007 ist er Geschäftsführer der Stiftung Forschung Planungswettbewerbe, die vom SIA initiiert wurde.
Michel Donzel, dipl. Ing. ETH war bis Ende 2004 Bereichsleiter Kunstbauten beim Bundesamt für Strassen ASTRA in Bern.
Prof. Thomas Vogel ist Professor für Baustatik und Konstruktion an der ETH Zürich.
Prof. Dr. Massimo Laffranchi ist Teilhaber des Büros Fürst Laffranchi Bauingenieure in Wolfwil und Grono und lehrt an der Accademia di Architettura in Mendrisio.
Jürg Conzett, dipl. Ing. ETH ist Teilhaber des Ingenieurbüros Conzett, Bronzini, Gartmann in Chur und Präsident der Gesellschaft für Ingenieurbaukunst.
| Anhang | Größe |
|---|---|
| Brueckenwettbewerb.pdf | 55.46 KB |